Gleichberechtigung. Zwischen Wunsch, Wirklichkeit und Wechseljahren
Wenn „Superwoman“ plötzlich nicht mehr kann und keiner versteht, warum.
„Ich kann nicht mehr, Monika. Ich bin ausgelutscht.“
Sagt sie und senkt den Kopf.
48 Jahre, Führungskraft, 3 Kinder. Eine perfekte Ehe – nach außen.
Eine perfekt auf Leistung getrimmte Frau der Gleichberechtigung.
Jahrelang hat sie alles geschafft.
Eine Energiebombe, aktiv wie ein Wirbelwind.
„Ich kann mich nicht stillhalten. Ich bin halt so.“
Das war regelmäßig der Satz, der aus ihr heraussprudelte, wenn es den Mitmenschen zu viel wurde.
Und jetzt?
Ist sie müde.
Manchmal traurig.
Sie versteht nicht, warum „es“ plötzlich nicht mehr funktioniert.
Warum „sie“ nicht mehr funktioniert.
Dabei ist es ganz einfach: Der Körper sagt STOPP.
Weil die Wechseljahre kommen.
Und denen ist die Gleichberechtigung egal.
Mit diesem Artikel möchte ich einen etwas anderen Blick auf das weibliche Leben werfen.
Achtung:
Er könnte dich aus deiner Komfortzone schubsen.
Das ist meine Absicht.
Weil wir alle – Frauen und Männer – meiner Meinung nach etwas verwechseln:
Gleichberechtigung vs. Gleichwertigkeit.
Viel Spaß beim Lesen.
Für schnelle Leser:
Gleichberechtigung hat Frauen viele Rechte eröffnet, doch aus „Du darfst alles“ wurde oft „Du musst alles“.
Beruf, Familie, Beziehung und Selbstoptimierung laufen gleichzeitig, bis die Wechseljahre den Körper ausbremsen.
Dann zeigt sich, wie wenig tragfähig das alte Funktionieren war.
Der Artikel unterscheidet Gleichberechtigung von Gleichwertigkeit:
Frauen und Männer müssen nicht gleich sein, um gleich viel wert zu sein.
Gefragt ist kein Zurück in alte Rollen, sondern ein neues Miteinander auf Augenhöhe. Mit geteilter Verantwortung, gegenseitigem Halt und dem Mut, Unterstützung anzunehmen.
Gleichberechtigung. Was für ein Wort.
Klingt gut.
Stark, klar und gerecht:
- Alle sollen die gleichen Chancen haben.
- Niemand soll auf den anderen herabschauen.
- Gleiches Geld für gleiche Arbeit.
Hört sich doch wirklich gut an, oder?
Aber ich fühle es nicht. Weil:
Der Alltag schaut oft ganz anders aus.
„Gleichberechtigung der Frau“ bedeutet:
Frauen können alles, machen alles, leisten genauso gut und viel wie die Männer.
Das ist auch gut und richtig – einerseits.
Und doch zeigt sich andererseits in vielen Frauen eine innere Sehnsucht, die sich nicht wegleugnen lässt:
Die Sehnsucht nach einem starken Gegenüber, einem Halt, einem Miteinander im Durcheinander des Lebens.
Und genau da beginnt die Spaltung:
Zwischen der Idealvorstellung von Gleichberechtigung und den Gefühlen, die im Innern rufen.
Und ganz ehrlich:
Welche Frau sehnt sich nicht nach starken Armen, die sie auffangen, wenn sie fällt?
Es scheint, als ob Gleichberechtigung eine Einbahnstraße geworden ist:
In eine Richtung, die uns als Gesellschaft nicht gut tut.
Weil Gleichberechtigung nicht heißt, dass nur die Frau stark sein muss.
Willst du mehr wissen?
Hol dir die kostenlose E-Mail-Serie:
5 Dinge, die dir in den Wechseljahren niemand sagt.
Fünf E-Mails. Konkretes Wissen. Direkt in dein Postfach.

Die Überforderung der modernen Frau
Was ist passiert in den letzten Jahrzehnten?
- Mädchen werden getrimmt auf: „Du bist besser. Du bist fleißiger. Du kannst alles mindestens genauso gut wie ein Junge.“
- Frauen zwischen 20 und 40 werden auf maximale Leistung programmiert: Beruf, Beziehung, Kinder, Schönheit. Alles gleichzeitig und alles perfekt.
- Männer? Da bekommt man den Eindruck, als ob sie eigentlich nicht mehr notwendig wären oder gebraucht würden.
Und am Ende sitzt da eine Frau, die alles macht.
Das Faszinierende daran ist: Sie kann es auch.
Warum?
Weil der weibliche Körper einen „Turbo“ eingebaut hat, der sie zwischen 20 und 40 zu einer Art „Superwoman“ macht:
Das Hormon Östrogen.
- Schwanger und trotzdem Vollgas im Beruf? Östrogen.
- Drei Stunden Schlaf und trotzdem lustig und funktionsfähig? Östrogen.
- Managerin, Mutter, Liebhaberin und das alles gleichzeitig? Du ahnst es: Östrogen.
Die Mitmenschen und die Partner denken kopfschüttelnd: „Wie schafft sie das alles nur?“
Sie denkt: „Ich bin halt so.“
FunFact:
Ist sie nicht. Sie hat nur hormonelle Unterstützung.
Dann kommen die Wechseljahre.
Der Turbo stottert.
Schwindel.
Müdigkeit.
Hitzewallungen.
Und womöglich Haarausfall.
Willkommen in der Realität.
Superwoman hat jetzt Pause.
Und damit kommen viele nicht zurecht.

Männer im Spagat
Jetzt wird´s unbequem.
Früher war es klar:
Der Mann brachte das Geld nach Hause, die Frau hielt den Laden zusammen.
Und nein, das war nicht alles perfekt.
Das war das klassische Patriarchat.
Nicht gerecht, sondern einengend, klein machend und falsch.
Frauen hatten weniger Möglichkeiten, wenig Rechte und wurden oft schlecht behandelt.
Aber:
Es gab auch eine klare Ordnung, die vielen Menschen Halt und Struktur gab.
Heute sind die Rollen flexibler und freier:
Auf den Spielplätzen sieht man auch viele Väter, die bemüht sind, alles richtig zu machen.
Sie bespaßen die Kinder, kümmern sich um das Essen und bedienen die Familie.
Damit sich die Mütter mal entspannen können.
Die meisten Männer wollen nämlich ihren Teil der Beziehung erfüllen.
Und trotzdem bleibt in beiden oft das Gefühl: „Es reicht nicht.“
Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass die Männer plötzlich alle Rollen der Frau übernehmen.
Zumindest für mich nicht.
Denn:
Während sich die Frau selbst zu Höchstleistungen antreibt, hat sie auch ihn optimiert.
Er soll:
- Das Geld verdienen.
- Ein perfekter Vater sein.
- Für sie da sein, sie verstehen, und zwar immer und sofort.
- Attraktiv und fit versteht sich von selbst.
- Und natürlich treu, stark und immer bereit.
Ein wandelnder Supermann sozusagen.
Gleichzeitig wird den Männern von Kindesbeinen an beigebracht:
„Sei brav. Nicht so wild. Die Mädchen können das besser.“
Und irgendwann bekommt „Mann“ das Gefühl, dass er vielleicht nicht mehr gebraucht wird.
Er wird unsicher und verliert das Vertrauen in seine wahre Männlichkeit.
Im schlimmsten Fall wendet er sich ab. Oder fängt das Saufen an.
Und „Frau“ bekommt den Eindruck, dass nur sie die Misere aufhalten kann.
Sie strengt sich noch mehr an und mutiert zur wandelnden „Iron-Woman“, an der alles hängt.
Oder lässt sich scheiden, weil er eine „Fehlentscheidung“ war.
Oder wird sein persönlicher „Feldwebel“, der ihm sagt, wann er was, wie, und wie oft zu tun hat.
Na super.
Dabei war es mal Liebe. Sagen sie zumindest.

Was Gleichberechtigung wirklich meint
Gleichberechtigung heißt: Jeder ist gleich-be-recht-igt.
Also: Gleiche Augenhöhe.
Heißt:
- Kein Herabschauen.
- Kein Kleinmachen.
- Kein ständiges Fordern.
Sondern:
- Gemeinsam Verantwortung übernehmen: Für Beziehung, Geld, Nähe, Kinder, Familie, Alltag. Und auch für sich selbst.
- Kein Opfer-Verhalten. Jeder ist für seinen Zustand und Laune selbst verantwortlich.
- Kein Wettbewerb. Es geht nicht um: Wer ist besser als der andere?
Gleichberechtigung bedeutet: Wir bauen gemeinsam. Eine Beziehung. Eine Familie. Ein Leben, dass uns beide trägt.
Und nur, damit es nochmal gesagt ist:
Auch ich habe dies alles lernen, erfahren und in mein Leben integrieren dürfen.
Weil sonst wäre alles, was ich mir erbaut habe, in die Brüche gegangen.
Und das womöglich nur, weil meine Hormone gerade im Chaos-Club waren.
Lesetipp, wenn du mehr wissen magst: ➡️Leeres Nest. Fluch oder Segen?
Gleichwertigkeit. Das andere Wort. Und eine andere Welt.
Gleichbe-RECHT-igung regelt die Rechte.
Gleich-WERT-igkeit bezeugt den Wert des Menschen dahinter.
Und ich stelle jetzt die provokante These auf:
Die Gleichberechtigung hat uns Frauen Rechte gegeben.
Gottseidank. Das ist gut und richtig. Ich möchte auch nicht zurück ins vorige Jahrhundert!
Aber dabei hat sie uns leider etwas anderes genommen:
Den Mut, „Frau“ zu sein.
Denn irgendwo auf dem Weg ist aus „Du darfst alles“ ein „Du musst alles“ geworden.
Und aus: „Du bist genauso viel wert wie ein Mann“ ist ein „Du musst genauso funktionieren wie ein Mann“ geworden.
Das ist nicht Gleichwertigkeit. Das ist Anpassung mit Feminismus-Etikett drauf.
Gleichwertigkeit heißt für mich:
- Ich darf anders sein und trotzdem bin ich gleich viel wert.
- Ich darf Östrogen haben, Zykluskurven und Wechseljahre und bin trotzdem wertvoll.
- Ich darf Phasen haben, in denen ich langsamer, stiller oder brüchiger bin. Und ich darf das sagen, ohne zu verlieren.
- Ich darf eine starke Schulter brauchen, ohne dass das als Rückschritt gilt.
- Ich darf ein hormongesteuertes Wesen sein, weil das ist meine Biologie.
- Und ich darf sagen, dass ich meinen Lebenspartner oder meine Lebenspartnerin liebe und achte, ohne dass ich gleich als „nicht überlebensfähig“ abgestempelt werde.
Gleichwertigkeit heißt: Ich bin anders als du. Und das ist ok.

Wechseljahre als Spiegel
Was ich in meinen Sitzungen immer wieder sehe:
Frauen, die alles alleine machen. Ohne Pause, perfekt organisiert.
Kennst du?
Wandelnde Terminkalender, Organisations-Monster mit dem Wunsch, gleichzeitig auch noch Karriere zu machen. Entweder in der Firma oder mit eigenem Business. Und natürlich die perfekte Familie mit vorzeigbarem Kind und dem Jahresurlaub in Übersee.
Aber: Die eigentlich niemanden neben sich haben „wollen“.
Auf meine Frage: „Wofür hast du denn eigentlich deinen Mann?“ kommt oft die Antwort: „Ja, das wenn ich wüsste…“.
Weil:
Östrogen läuft wie ein unsichtbarer Motor mit, pusht dich durch lange Tage, lässt dich Dinge stemmen, die du im Rückblick selbst kaum glauben kannst und verleiht dir das Gefühl von „ich bin unbesiegbar“.
Und dann, plötzlich, kommt die Bremse.
Die ersten Hitzewallungen, die Schlaflosigkeit, die innere Unruhe.
Mit dem Gefühl von: „War´s das jetzt? War das mein Leben?“
Und du spürst: Dein Körper ist doch nicht so unverwundbar, wie du gedacht hast.
Es ist ein Schock.
Und gleichzeitig eine Einladung.
Denn wenn dir plötzlich die Hormone um die Ohren fliegen, merkst du erst, was da all die Jahre eigentlich los war.
Und dass dir diese „Gleichberechtigung“ eigentlich scheißegal ist.
Denn:
Jetzt, wenn der Körper umbaut, eine Pause braucht, dann wäre es recht, wenn jemand da wäre.
Der dir festen Halt gibt, wenn deine Nerven schwanken.
Und du fragst: „Wo ist der Mann, an den ich mich anlehnen kann?“
Dann geht die Suche los:
Nach dem Mann, der dir das Gefühl von Schutz geben kann.
Aber da ist oft keiner.
Weil es nie einen gebraucht hat. Oder weil „Frau“ nie gezeigt hat, dass sie einen braucht. Oder haben will.
Kann sein, oder?
Die Wechseljahre sind das Ankommen in einer Lebensphase, in der „Frau“ zum ersten Mal wirklich Halt sucht und merkt, dass sie nie gelernt hat, ihn anzunehmen.
Die Wechseljahre fragen dich:
Willst du weiter so tun, als würdest du alles alleine schaffen?
Oder bist du bereit, neu hinzusehen?
Monika Probst
ist zertifizierte Wechseljahre-Beraterin, Diplom Bowen-Practitionerin und Mentorin.
Sie begleitet Frauen in den Wechseljahren dabei, wieder Vertrauen in ihren Körper zu bekommen.
Ihr Ansatz verbindet Körperarbeit, Energiemedizin und systemisches Denken: Bodenständig, evidenzbasiert und direkt.
Fokus: Ohne Umwege zu mehr Klarheit.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information, soll zum Nachdenken anregen und ersetzt keine medizinische Beratung.
